Matthias Blübaum gewinnt GRENKE Chess Open

Das erste GRENKE Chess Open endete mit einer faustdicken Überraschung. Matthias Blübaum belegte den ersten Platz und düpierte dabei die versammelte Weltelite. Der deutsche Großmeister hatte am Ende 7,5 Punkte auf dem Konto und ließ fünf weitere Spieler mit der gleichen Punktzahl dank der besseren Buchholzwertug hinter sich. Der zweite Platz geht an Vladimir Fedoseev (Russland). Den dritten Platz teilen sich Nikita Vitiugov (Russland) und der im Turnier lange Führende Milos Perunovic (Serbien). Ni Hua (China) und Francisco Vallejo Pons (Spanien) landeten auf Platz fünf und sechs.

In der letzten Runde des GRENKE Chess Open kam an den ersten beiden Tischen kaum Spannung auf. Francisco Vallejo Pons gab seine Partie mit Weiß gegen Milos Perunovic schnell remis. Das gab Matthias Blübaum die Chance durch einen Sieg gegen Markus Ragger als einziger Spieler auf 8,0 Punkte zu kommen. Der österreichische Großmeister dagegen kämpfte um den geteilten Turniersieg. In einer Grünfeld-Indischen Partie konnte keiner der Spieler einen Vorteil für sich verbuchen und so endete die Partie in ausgeglichener Stellung nach 27 Zügen remis. Damit war klar, dass sich mehrere Spieler die ersten Preise nach Hort-System teilen würden.


Die drei Erstplatzierten Matthias Blübaum (Mitte), Vladimir Fedoseev (links) und Nikita Vitiugov (rechts),
umrahmt von Hans-Walter Schmitt und Sven Noppes

Letztendlich konnten drei weitere Spieler zum Führungstrio aufschließen. Vladimir Fedoseev hatte vor der letzten Runde kaum einer auf der Rechnung, denn er musste mit Schwarz gegen Li Chao antreten. Der russische Großmeister wählte die Nimzowitsch-Indische Verteidigung. Li Chao musste die typische Bauernschwäche auf c4 einnehmen, versuchte aber am Königsflügel anzugreifen. Fedoseev verteidigte sich aber umsichtig und schaffte es gleichzeitig die Bauernschwäche auf c4 zu erobern. Danach ging alles ganz schnell und die weiße Stellung fiel auseinander - eine feine positionelle Leistung des jungen Russen.

Eine großartige Partie spielte in der letzten Runde Nikita Vitiugov. Gegen Alexander Moiseenko besaß er positionelle Vorteile, die er mit feiner Technik in ein gewonnenes Endspiel verdichtete. Sehenswert war, wie er in der folgenden Stellung seinen Vorteil vergrößerte.

Vitiugov,Nikita (2721) - Moiseenko,Alexander (2668)
GRENKE Chess Open 2016, 28.03.2016

Stellung nach 36...Ke7:

Offensichtlich steht Weiß, da u.a. der Läufer auf a8 nicht mitspielt, schlecht. Doch wie kommt man weiter. 37.f3! Öffnet die Diagonale b1-h7 für den Läufer. In der Folge aktivierte Weiß seinen König und seinen Läufer. Schwarz wehrte sich nach Kräften, doch die Partie war ab hier im Prinzip gelaufen. Wie Vitiugov die Partie nach Hause fuhr, könnt ihr hier nachspielen.


Nikita Vitiugov schlug Alexander Moiseenko

Mit einer feinen positioinellen Leistung beendete auch Ni Hua das GRENKE Chess Open. Der chinesische Großmeister zeigte beim Übergang ins Endspiel eine ähnlich gute Technik wie Vitiugov, z.B. in der folgenden Stellung.

Ni,Hua (2691) - Gledura,Benjamin (2538)
GRENKE Chess Open 2016, 28.03.2016

Stellung nach 23...Se4:

24.Tb2! Einer der aktiven schwarzen Türme wird getauscht. 24...Txb2 24...Ta1? 25.Dxa1 Txa1 26.Txa1 mit klar besserer Stellung für Weiß da die Türme der Dame hier überlegen sind. 25.Lxb2 Ta8 26.Dc2 Sg5 27.Te1 f5 28.Ta1! Auch der zweite Turm wird getauscht. Nach 28...Txa1+ 29.Lxa1 ist die Stellung besser für Weiß und für den Verteidiger in einer praktischen Partie kaum zu halten. Der Kampf dauerte noch bis zum 70. Zug, doch Ni Hua setzte sich im Prinzip ohne Komplikationen durch. Unter diesem Link können sie die Partie nachspielen.


Ni Hua landete letztendlich auf Platz fünf

Letztendlich war Matthias Blübaum das Glück hold, denn der deutsche Nachwuchsspieler hatte von allen Akteuren mit 7,5 Punkten die beste Buchholzwertung. Er darf sich über den Turniersieg und über den ersten Geldpreis von 7375 Euro freuen.

Elisabeth Pähtz gewann den ersten Frauenpreis. Die deutsche Nr. 1 spielte ein starkes Turnier ohne Niederlage und hatte 6,5 Punkte auf dem Konto. Der zweite Preis geht an Sarah Hoolt mit 6,0 Punkten. Über den dritten Preis darf sich Elena Levushkina freuen, die ihr tolles Turnier auch mit einer IM-Norm krönte.


Elisabeth Pähtz darf sich über 2000 Euro freuen

Der Seniorenpreis geht an Anatoly Donchenko, der 5,5 Punkte erzielte. Der Vater von Alexander Donchenko darf sich üer 300 Euro freuen.


Anatoly Donchenko am Brett

Es gab zahlreiche weitere Preise in vielen Kategorien, auch in der B- und C-Gruppe. Stellvertretend seien die Sieger dieser offenen Gruppen genannt. Die B-Gruppe gewann mit 8,0 Punkte Mesut Altok aus Köln, die C-Gruppe Erik Wu aus Mannheim.

Normenregen

Sage und schreibe 13 Spieler erzielten eine begehrte Norm beim GRENKE Chess Open. Drei vielversprechende Nachwuchsspieler erkämpften sich eine GM-Norm. Die OSG Baden-Baden darf sich freuen, denn Andreas Heimann erzielte 6,5 Punkte und übererfüllte seine GM-Norm um einen ganzen Punkt. Die zweite Norm geht nach Frankreich und an Bilel Bellahcene (Jhrg. 1998). Die dritte Norm geht nach Ungarn und an Benjamin Gledura (Jhrg. 1999).

Die folgenden zehn Spieler dürfen sich über eine IM-Norm freuen: Maximilian Neef, Lev Yankelevich, Elena Levushkina, Fabian Englert, Julian Martin (jeweils Deutschland), Robby Kevlishvili, Thomas Beerdsen, Bob Jansen (jeweils Niederlande) Thai Dai Van Nguyen (Tschechien), Nicolo Napoli (Italien).

Vor der letzten Runde hatten sogar 25 Spieler eine Chance auf eine Norm. Letztendlich kamen 13 durch.

Alle Ergebnisse der 9. Runde im Überblick

Endstand GRENKE Chess Open

Fotos von der Siegerehrung