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56 Nationen, ein Spiel: Weltelite und volle Hallen in Karlsruhe
Die Runden 4 und 5 des grenke Schachfestival 2026 boten eine Mischung aus erwartbaren Ergebnissen und überraschenden Momenten.
Carlsen lässt erstmals Federn
Magnus Carlsen musste erstmals einen halben Punkt abgeben und kam in Runde 4 gegen Amin Tabatabaei nicht über ein Remis hinaus. In Runde 5 meldete sich der Norweger jedoch direkt zurück und gewann seine Partie gegen Vokhidov.
Bemerkenswert war insbesondere der Zug 25. Dxf7! Der schwarze f7-Bauer sieht auf den ersten Blick vergiftet aus, da Schwarz nach 25. ...Sxd4 dem weißen König mit Schachgeboten zusetzt. Doch Carlsen hatte alles korrekt kalkuliert.
Keymer kennt die Stellung
Vincent Keymer sorgte bereits vor Runde 4 für eine bemerkenswerte Geschichte. Die ausgeloste Startposition 534 kam ihm bekannt vor: Er hatte sie bereits im vergangenen Jahr in Weissenhaus analysiert. Die Ausgangslage war vergleichsweise einfach – lediglich König und Dame waren vertauscht.
Seine Einschätzung war klar: „Nach 1. d4 steht Schwarz schon schlecht. Ich war froh, dass mein Gegner 1. e4 spielte.“
Ein mögliches Indiz dafür, dass Vorbereitung auch im Freestyle-Format eine Rolle spielen kann.
Keymer und Niemann an der Spitze
Keymer gewann beide Partien des Tages und steht damit gemeinsam mit Hans Niemann als einziger Spieler mit einer makellosen Bilanz von 5 aus 5 Punkten an der Spitze.
Brisant: Ein direktes Duell zwischen Carlsen und Niemann wird immer wahrscheinlicher – und das nur wenige Tage vor der Veröffentlichung der Netflix-Dokumentation „Untold“, die sich mit der kontroversen Beziehung zwischen den beiden beschäftigt.

Hans Niemann (Foto: Ivica Müller)
Klassisches A-Open
Auch im klassischen A-Open gibt es zwei Spieler mit makelloser Bilanz: den Chinesen Tong Xiao und den Deizisauer Bundesligaspieler Abhijeet Gupta. Dahinter folgt ein Feld von 26 Spielern mit 4,5 Punkten.
56 Nationen am Brett
Ein zentrales Anliegen der Organisatoren ist der verbindende Charakter des Schachspiels. Das grenke Schachfestival hat sich längst zu einem internationalen Treffpunkt der Schachwelt entwickelt.
Spieler aus 56 Nationen sind vertreten. Nach Deutschland stellen vor allem die Schweiz und Frankreich große Delegationen. Gleichzeitig reicht die Bandbreite weit darüber hinaus – von Australien über Madagaskar und die Philippinen bis hin zu Syrien.
Besonders freute sich das Organisationsteam über den Besuch von Kindern der Schachschule Lviv aus der Ukraine. Für sie wurde das Turnier auch abseits des Bretts zu einem besonderen Erlebnis: Unter anderem konnten sie Autogramme von der ukrainischen Weltmeisterin Mariya Muzychuk sammeln.
Halle nahezu ausgelastet
Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie groß das Interesse am Turnier ist. Hanna Marie Klek, aktuelle Nummer 3 der deutschen Frauenrangliste und unverzichtbarer Teil des Organisationsteams, berichtete:
„Gestern früh hatten wir im ganzen Kongresszentrum nur noch zwei unbesetzte Bretter.“
Fazit
Die Runden 4 und 5 zeigen einmal mehr die besondere Mischung des grenke Schachfestival: Weltklasse, internationale Beteiligung und viele wertvolle Begegnungen und Erinnerungen. ♟️

Faszination Schach (Foto: Darius Gorzinski)
Impressionen Tag 2
“Zusammen”: Weltelite behauptet sich an dramatischem Karfreitag
Runde 2 und 3 des grenke Schachfestival 2026 am Karfreitag hatten alles, was dieses Turnier ausmacht.
Schon zur Eröffnung wurde der Ton gesetzt: Mit „Zusammen“ von den Die Fantastischen Vier lief ein Lied, das sinnbildlich für dieses Festival steht. Tausende Spieler, Zuschauer und Beteiligte – aus allen Altersgruppen, aus der ganzen Welt und unterschiedlichster Herkunft – vereint durch die gleiche Leidenschaft für Schach.
Runde 2: Erst Selfie, dann Widerstand
Michael Rütten, Mitglied des Schiedsrichterteams, zog die Startposition für den Freestyle-Wettbewerb: 247.
Turnierfavorit Magnus Carlsen traf auf WGM Alua Nurman aus Kasachstan. Diese nutzte die Gelegenheit für ein Selfie mit dem Norweger, der bereitwillig mitmachte. Anschließend musste sie ihr Handy – auf Wunsch Carlsens – bei Michael Rütten abgeben.

Vor Ort zeigte sich Kommentator Klaus Bischoff beeindruckt vom Auftritt der Außenseiterin, die lange stark dagegenhielt. Am Ende setzte sich jedoch erwartungsgemäß der Norweger durch.
Runde 3: Dramatisches Ende bei Keymer
In Runde 3 wurde die Startposition 53 ausgelost. Die Favoriten an der Spitze – Magnus Carlsen, Ian Nepomniachtchi, Nodirbek Abdusattorov und Hans Niemann – hielten sich schadlos und gewannen ihre Partien souverän.
Nepomniachtchi spielte seine Partie gegen den erfahrenen Niederländer Loek van Wely nahezu im Blitztempo herunter.
Besonders spektakulär verlief die Partie von Vincent Keymer gegen Georg Meier.
Lange Zeit deutete alles auf ein Remis hin. Meier, selbst viele Jahre Nationalspieler, hatte die Stellung unter Kontrolle und schien das Unentschieden sicher zu verwalten. Keymer hingegen spielte die letzten rund 30 Züge nur noch vom Inkrement – seine Bedenkzeit war nahezu aufgebraucht.
Im Livestream sagte sein Trainer Peter Leko: „Ich mache mir große Sorgen.“ Doch dann kippte die Partie: Mit 62. Ld8 drang Keymer in die Stellung ein. Wenig später bewahrheitete sich der alte Spruch: Der vorletzte Fehler gewinnt.
Nach 70. ... Kh6?? fand Keymer ein Matt in vier und entschied die dramatische Zeitnotpartie für sich.
Klassisches A-Open
Auch im klassischen A-Open gab es in Runde 2 Überraschungen.
Der topgesetzte Ukrainer Pavel Eljanov kam gegen seinen Landsmann FM Stepan Mohylnyi (2193 Elo) nicht über ein Remis hinaus.
Der an Nummer zwei gesetzte Ex-Europameister Aleksandar Indjic verlor sogar gegen den Schweizer Fabian Frey (2227 Elo).
Nach drei Runden stehen noch 46 Spieler mit makellosen 3 aus 3 Punkten da.
Begegnungen neben dem Brett
Das grenke Chess Festival lebt nicht nur von den Partien – sondern vor allem von den Begegnungen.
Um 18 Uhr sorgte The Big Greek am Chess Tigers Stand für großen Andrang und kam mit zahlreichen Teilnehmern ins Gespräch.
Doch auch darüber hinaus nahmen sich viele Spitzenspieler Zeit für ihre Fans. Ob Hans Niemann, Magnus Carlsen oder Ian Nepomniachtchi – sie alle waren mittendrin, gaben Autogramme, machten Selfies und suchten den Austausch.
Weltklasse wird hier nicht nur gespielt, sondern erlebbar gemacht.
Fazit
Die Runden 2 und 3 zeigen einmal mehr, was das grenke Schachfestival auszeichnet:
Nähe und Weltelite. Spannung und Gemeinschaft.
Oder, wie es im Eröffnungssong heißt:
Zusammen. ♟️

Fotos: Ivica Müller